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Industrie 4.0 - Risiken / Probleme

 

Industrie 4.. beinhaltet natürlich analog zu allen anderen großen Veränderungen erhebliche Risiken. Zunächst ist hier natürlich der richtige Zeitpunkt zum Einstieg in die einzelnen Elemente wichtig. Die im Zweifel etwas zu früher Beginn mit Pilotanwendungen und damit begrenztem Risiko ist hier wohl die Hauptmethode zur Risikobegrenzung. Ein zu später Einstieg kann evtl. nicht mehr ausgleichbar sein, wie das Beispiel Kodak bei der Digitalen Fotografie zeigt.

Industrie 4.0 - Wachsende Komplexität der Gesamtstruktur

 

Mittelfristig dürfte der größte Risikofaktor aber die stark ansteigende Komplexität des Produktions- und Servicebereiches sein. Die permanent steigende Anzahl von kommunizierenden Knoten im Gesamt-Firmennetz, im Verbund mit der stärkeren Kommunikationsanbindung von Kunden und Lieferanten und laufend höherer Kommunikations- und Entscheidungsgeschwindigkeit führt zu einem extrem schwierig zu beherrschenden, extrem komplexen Kommunikationssystem. Dessen Funktionsprinzipien sind im Detail heute noch nicht richtig abschätzbar, dominierende Trends werden aber die zunehmende Bildung von kleinen, kommunikativ eng verbundenen Einheiten zusammen mit der Delegation von Entscheidungen an den „Anwendungsort“, d.h. vielfach die Produktionseinrichtungen, sein. Vor diesem Hintergrund kann die Einführung von sogenannten Schwarmlogiken sinnvoll sein. Diese werden aber primär den Produktionsablauf steuern können.

Die Planung und technische Vorbereitung der Produktion wird dagegen in einem immer komplexeren Netzwerk von immer mehr Spezialisten als Teamleistung erstellt werden müssen. Ob daraus hochspezialisierte Projektteams je Einrichtung oder die Entwicklung flexibler Komponenten mit Konfiguration der Einzellösung entstehen werden ist aktuell noch nicht absehbar, es spricht aber einiges für die Entwicklung von Standardkomponenten mit flexibler Konfiguration für den jeweiligen Anwendungsfall.

Eine Konsequenz daraus ist, dass die hierarchischen Führungsstrukturen sehr viel stärker als heute auf die Erreichung von Zielen anstelle Einhaltung von Regeln und Vorgaben ausgerichtet werden müssen. Wahrscheinlich wird daraus, analog zur Einführung von Lean Manufacturing in die Firmen Anfang der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts, eine neue Kultur der innerbetrieblichen Zusammenarbeit entstehen.

Industrie 4.0 - Erhöhte IT – Abhängigkeit

 

Aus dem hohen Volumen an intelligenten Knoten im Netz, den erweiterten Auswertemöglichkeiten sowie der hohen Kommunikationsgeschwindigkeit resultiert eine stark erhöhte Bedeutung der IT – Funktionen.

  • Zum einen muss aufgrund der hohen Abhängigkeit von der IT deren Ausfallsicherheit gewährleistet werden, was entsprechende Anforderungen an die IT – Spezialisten und das Infrastruktur – Investment stellt. Darüber hinaus ist ein breites Feld an Komponenten zu überwachen und zu steuern, was entsprechend hohe Vorgaben für die Qualität und Automatisierung der Netzadministration sowie die störungsfreie Einbindung neuer Komponenten stellt.

  • Zusätzlich sind umfangreiche Anbindungen an externe Netze von Kunden und Lieferanten zu etablieren und laufend den neuen Anforderungen nachzuführen.

  • Schlussendlich muss die Sicherheit und Vertraulichkeit der netzinternen Daten, primär das Wissen das von der Konkurrenz differenziert, gewährleistet werden.

Schon heute wird ein breites Feld an Spezialwissen in der IT gebraucht. Dieses umfasst die komplette Desktop-Welt einschließlich eMail, Fileserver, Domain Management und eine Vielzahl kleinerer Programminstallationen. Darüber hinaus sind die ERP – Applikationen, PLM – Applikationen, vielfach eine CRM – Lösung, Spezial-Applikationen für Qualität, Instandhaltung, Fabriksteuerung und evtl. ein eigener Webauftritt Applikationsseitig zu betreuen. Infrastrukturseitig muss ein komplettes internes IT – Netz administriert und laufend nachgeführt werden, die Benutzeradministration und Zugangskontrolle sicher gestellt werden, der laufende Applikationsbetrieb mit Betriebsüberwachung und Steuerung, Plattenplatz-Verwaltung, Updates Betriebssysteme und andere Systemsoftware effizient und ausfallsicher gesteuert werden.
Über alle Funktionen hinweg ist dann die Sicherheit der Gesamt – IT einschließlich aller externer Anbindungen zu gewährleisten.


Die Summe dieser Anforderungen wird mittelfristig nur noch von sehr großen Unternehmen eigenständig erfüllbar sein. Mit steigender Anforderung an die Betriebssicherheit sowie laufender Verbreiterung der Wissensbasis wird, analog zu Telefon und Strom, die eigentliche Kernfunktion ausgelagert werden und im Betrieb im wesentlichen noch die Auftraggeber – Funktion für die externen Dienstleister verbleiben.

Industrie 4.0 - Zusammenfassung

 

Industrie 4.0 ist zwar momentan an vielen Stellen sehr unscharf definiert, wird aber mit Sicherheit erhebliche Veränderungen in allen Industrien bewirken. Angesichts der laufenden Beschleunigung bei der Einführung neuer Technologien ist mit relativ kurzfristigen Auswirkungen zu rechnen.

Die beste Vorbereitung besteht in einer numerisch detaillierten Stärken / Schwächen – Analyse, die die Entscheidungsgrundlagen für die Einsatzbereiche liefert. Auf der Basis kann dann effizient entschieden werden, wo die neuen Möglichkeiten sinnvoll eingesetzt werden können.

Zusätzlich ist zu prüfen, in welchem Umfang eine eigene Datenverarbeitung noch sinnvoll ausgeführt werden kann. Falls mittelfristig ein Ausstieg wahrscheinlich ist steht ausreichend Zeit zur Verfügung, um den Übergang geplant zu realisieren.-

Industrie 4.0 - Kurzfristige Auswirkungen, Maßnahmenempfehlung

 

Auch wenn Industrie 4.0 mittelfristig größere Auswirkungen haben wird ist der Ansatz „Viel hilft viel“ höchstwahrscheinlich keine sinnvolle Lösung. Mit der großflächigen Verwendung von IT bis hin zur Dotcom-Blase war aus Management – Sicht eine sehr ähnliche Entscheidungsnotwendigkeit gegeben. Alle Untersuchungen zu Abhängigkeiten zwischen IT – Einsatz und Geschäftserfolg aus diesen Entscheidungen zeigen, dass ein überdurchschnittliches Engagement in der Regel eher zu schlechteren Ergebnissen führt als ein Durchschnittliches.

Mit aktuellem Kenntnisstand ist der wesentliche Grund für den Effizienzunterschied die jeweilige Entscheidungsvorbereitung für den Einsatz. Bei den effizienten Nutzern stand vor jedem Investment die Analyse, wo der Einsatz Sinn macht und was als Lösung für den eigenen Betrieb sinnvoll umgesetzt werden kann. Vereinfacht wird dafür ein Kennzahlenschema für die eigene Leistungsfähigkeit aufgebaut. Dieses deckt die wettbewerbsrelevante Faktoren gegenüber der Konkurrenz ab, ist naturgemäß für jeden Betrieb verschieden, muss aber unabhängig von den Lösungen als Berichtssystem installiert sein. Klassische Kennzahlen in einem solchen Schema sind Preis gegen Konkurrenzprodukte, Produktattraktivität, Liefertreue, Kunden – Servicebewertung, Planungsgenauigkeit, ….

Wenn ein solches Kennzahlensystem dann noch mit Konkurrenz – Benchmarks versehen ist dann liefert das die Funktionen, wo Invest den höchsten Nutzen im Wettbewerbsumfeld haben wird.

Der beste Startpunkt für Industrie 4.0 ist daher wohl eine klassische Stärken / Schwächen – Analyse über nachprüfbare Metriken. Da solche Kennzahlensystem auch erhebliche Risiken beinhalten empfiehlt es sich, fachkundige Beratung bei der Implementierung in Anspruch zu nehmen.

  1. Digitalisierung

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